Geschichte der Musik- und Trachtenkapelle Fischerbach

Die Musik- und Trachtenkapelle spielt im Fischerbacher Kulturleben eine wichtige Rolle. Die Chronik reicht weit zurück, wenngleich ihre offizielle Gründung erst 1919 erfolgte.

Das früheste, im Gemeindearchiv vorhandene Dokument, das von den Aktivitäten musizierender Fischerbacher zeugt, ist eine Gemeinderechnung vom Jahre 1826, die eine Ausgabe an 8 Musikanten von Weiler wegen des Corpus-Christi-Festes verzeichnet. Es haben also bereits vor 170 Jahren Musikanten bei kirchlichen und auch weltlichen Festen in Fischerbach aufgespielt.

20 Jahre später erzählt Heinrich Hansjakob von Fischerbacher Musikanten.

Der Zufall wollte es, dass sich im November 1919 einige junge Männer trafen und aus Begeisterung für die Volksmusik die Gründung einer Blasmusik ins Auge fassten. Es waren dies neben Moritz Schmid noch Josef Mayer und August Summ. Weitere von der Sache begeisterte Leute wie Andreas Schmid, Theodor Klausmann, Otto Keller, Georg Geiger, Josef Summ und Andreas Eisenmann schlossen sich an. Nachdem mit dem damaligen Oberlehrer Willmann ein Dirigent gefunden war, fand am 1. Dezember 1919 die Gründung der Musikkapelle statt.

Frau Veronika Schmid vom Bergeckhof, stiftete dem Verein 4575 Mark zur Anschaffung der Instrumente, Noten und Notenständer. Der erste Auftritt der jungen Kapelle am 29 August im Gasthaus "Ochsen" war für diese selbst und für die ganze Gemeinde ein großer Festtag.

Am 2 Mai 1926 schlossen der Musikverein und die Gemeinde einen Vertrag, wodurch die Auflösung des Vereins wegen finanzieller Nöte verhindert wurde. Die Instrumente und Noten im Wert von 1000 Mark gingen in das Eigentum der Gemeinde über. Diese zahlte außerdem in die Vereinskasse und dafür stellte der Verein seine Dienste jederzeit unentgeltlich zur Verfügung.

Im Jahre 1933 befasste sich der Musikverein mit der Anschaffung neuer Uniformen. Durch Vermittlung des damaligen Bürgermeisters Ramsteiner wurde ein Darlehen gewährt.

In den folgenden Jahren bis zum Kriegsbeginn im Jahre 1939 konnte die Musikkapelle eine stetige Aufwärtsentwicklung verzeichnen.

Der Zweite Weltkrieg ging an der Musikkapelle nicht spurlos vorüber. Von den 1938 noch registrierten 23 aktiven Musikern kamen 12 nicht mehr aus dem Krieg zurück. Somit stand man 1945 vor einem Neubeginn. Unter dem Vorstand Moritz Schmid und dem Dirigenten Neumaier begann der Wiederaufbau der Musikkapelle.

Dass die Musikkapelle auch eine finanzielle Grundlage bekam, dafür sorgte Dirigent Josef Neumaier mit einer genialen Idee. Das Zauberwort hieß "Strandfest". Auf dem Kinzigvorland in Eschau wurde am 2. August 1951 das erste Strandfest abgehalten. Es ist bis zum heutigen Tag eines der größten und beliebtesten Volksfeste der näheren und weiteren Umgebung und findet traditionell immer am ersten Juliwochenende statt.

Einer der großen Glanzpunkte im Vereinsgeschehen war das 1960 gefeierte 40-jährige Jubiläum, verbunden mit dem Bezirksmusikfest des Musikverbandes Kinzigtal.

Wie sehr das Leistungsniveau der Musikkapelle in den folgenden Jahren zunahm, zeigte das erste Wunschkonzert, das im Jahre 1965 durchgeführt wurde. Ein umfangreiches Repertoire an klassischen und modernen Stücken stand zur Auswahl.

1970 wurde das 50-jährige Vereinsjubiläum, verbunden mit dem Verbandsmusikfest des Musikverbandes Kinzigtal, gefeiert.

Mehr und mehr entwickelte sich nun die Musikkapelle "Harmonie" zu einem Kulturträger in der Gemeinde.

Seit Februar 1972 ist die Musikkapelle im Vereinsregister eingetragen.

Am 15. Mai 1982 führte die Musikkapelle zum ersten Mal das Jahreskonzert in der neuerbauten Brandenkopfhalle auf. Bis zu diesem Zeitpunkt fanden die Konzerte in den Gasthäusern "Engel" und "Ochsen" statt.

Was lange diskutiert worden war, konnte im Jahre 1983 verwirklicht werden, die Anschaffung von Trachtenuniformen für die Musiker. Nachdem der Finanzierungsplan erstellt war, wurde die neue Tracht bei der Firma Reich in Waldkirch bestellt.

Aufgrund der neuen Schwarzwaldtracht wurde auch der Name des Vereins in "Musik- und Trachtenkapelle Harmonie 1919 e.V. Fischerbach" geändert.

Nach 30-jähriger erfolgreicher Dirigententätigkeit übergab Franz Summ im Jahre 1986 den Taktstock an Hansjörg Wichmann. Franz Summ war in seiner langen Dirigententätigkeit maßgebend an der Aufwärtsentwicklung der Kapelle beteiligt gewesen.

Die Gründung einer Musikschule in Haslach brachte auch für unseren Verein änderungen mit sich. Die Ausbildung an den Instrumenten erfolgte nun zweigleisig. Zum einen wurden die Zöglinge von den an der Musikschule angestellten Lehrern einzeln ausgebildet, zum anderen wurden sie von Hansjörg Wichmann für das gemeinsame Musizieren angeleitet. Lücken in den Reihen der Musiker konnten so immer wieder geschlossen werden.

Eine weitere Veränderung ergab sich 1987. Zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte wurden Mädchen in die Kapelle aufgenommen.

1991 wurde Raphael Janz als neuer musikalischer Leiter verpflichtet. Der diplomierte Musiklehrer und Orchestermusiker verstand es bisher, die Trachtenkapelle zu neuem hohen Leistungsniveau zu führen.

Nach 12 Jahren erfolgreicher Tätigkeit gab Erich Braig den Vorsitz an Klaus Georg Schmid ab.

1995 feierte die Trachtenkapelle ihr 75-jähriges Bestehen in Form eines kleinen Dorffestes. Dabei hatte die Bevölkerung tatkräftig mitgeholfen und so das Jubiläum zu einer runden Sache werden lassen.

Das erste Kirchenkonzert der Vereinsgeschichte wurde im Mai 2000 in der Kirche "St. Michael" abgehalten.

Im April 2002 wurde dann der erste Tonträger aufgenommen. Nach zweitägiger Arbeit war das Programm für die CD im "Kasten".

Ein Wechsel in der Führungsriege erfolgte 2008. Nach 16 Jahren an der Spitze des Vereins stellte Klaus Georg Schmid sein Amt zur Verfügung. Jürgen Isenmann trat die Nachfolge als Vorsitzender der Musik- und Trachtenkapelle an. Für seine geleistete Arbeit wurde Klaus Georg Schmid zum Ehrenvorsitzenden ernannt.

Raphael Janz legte Ende 2009 seinen Taktstock nieder. Mit Melanie Huber übernahm 2010 zum ersten Mal eine Frau die musikalische Leitung der Trachtenkapelle. Durch ihre Lehrertätigkeit an der Musikschule Offenburg/Ortenau hatte Melanie Huber zuvor schon die Fischerbacher Kinder an der Klarinette oder am Saxophon ausgebildet.

Eine besondere Konzertreise durften die Musikerinnen und Musiker im März 2015 erleben. Mit dem Kreuzfahrtriesen MSC Fantasia ging es auf eine 4-tägige Mittelmeerreise. Das beeindruckende Highlight war ein Konzert auf dem Oberdeck des Kreuzfahrtschiffes.

Nach 5 Jahren beendete Melanie Huber 2015 ihre Dirigententätigkeit in Fischerbach. Aufgrund ihres Engagements als 1. Soloklarinette bei dem Baden-Badener Sinfonieorchester konnte sie die musikalische Führung der Trachtenkapelle nicht mehr ausüben.

Mit Bernhard Münchbach wurde ein würdiger Nachfolger gefunden. Im April 2016 übernahm er den Taktstock in der Trachtenkapelle Fischerbach. Bernhard Münchbach studierte Musik an der Pädagogischen Hochschule in Freiburg und absolvierte ein Privatstudium bei Rolf Quinque in München. Als Trompeter ist er in verschiedenen Ensembles engagiert und unterrichtet an der Musikschule Offenburg/Ortenau.

Dirigenten

1919 - 1925 Oberlehrer Willmann

1925 - 1955 Josef Neumaier

1955 - 1986 Franz Summ

1986 - 1991 Hans-Jörg Wichmann

1991 - 2009 Raphael Janz

2010 - 2015 Melanie Huber

2015 - heute Bernhard Münchbach